Mehrfach in den letzten Jahren hatten wir uns öffentlich dagegen gewandt, in der Remsecker Stadtmitte in der Nähe der Endhaltestelle der Stadtbahn eine weitere Straßenbrücke über den Neckar zu bauen, bevor nicht die weiträumige Umfahrung Remsecks durch den Nordostring Stuttgart gesichert ist.

Nachdem jetzt Planer und Verwaltung trotzdem eine solche Brücke in den Vorentwurf des Flächennutzungsplanes aufgenommen hatten, haben wir bei der offiziellen Einbringung dieses Plans in den Gemeinderat die Notbremse gezogen und in einem Änderungsantrag verlangt, die neue Neckarquerung und den anschließenden Tunnel unter dem Schlossberg aus dem Plan zu streichen und den Plan in der geänderten Form in die Anhörung der Bürger und der Träger öffentlicher Belange zu geben. Zusammen mit der CDU- Fraktion haben wir die notwendige Mehrheit erreicht, um diese Änderung zu beschließen.

Unser Motiv: wir wollen die Mitte Remsecks vom regionalen und überregionalen Verkehr entlasten und nicht durch eine neue Brücke mit anschließendem Tunnel das Risiko eingehen, stattdessen weiteren Verkehr anzuziehen! Wir sind der Ansicht, dass nach Bau einer neuen Brücke in der Stadtmitte durch das Land als Träger der Straßenbaulast die Chancen auf Realisierung des Nordostrings weiter sinken würden – auch wenn dafür der Bund zuständig ist. Das Ergebnis: das Herz unserer Stadt wäre vom Verkehr zerschnitten und eine städtebauliche Entwicklung nicht sinnvoll möglich.

Der Kommentator der Stuttgarter Zeitung hat uns gerügt und daran erinnert, Remseck müsse wie die Nachbarstädte seine „Hausaufgaben“ beim Verkehr machen und nicht nur auf den Nordostring warten. Deshalb schauen wir doch mal in die Nachbarstädte, die der Kommentator teilweise benannt hat: Waiblingen hat vor wenigen Wochen seine Westumgehung in Betrieb genommen. Sie liegt weit außerhalb der Stadt an der Grenze zu Fellbach und sie deckt sich in der Trassenführung mit den ersten zwei Kilometern des Nordostrings. Die Folge für Remseck: es wird weiteren Verkehr auf der Neckarbrücke geben.

Fellbach hat´s in Zeiten, als Bund und Land noch mehr Geld in den Straßenbau-Etats hatten, besonders geschickt gemacht. Erst hat man sich vom Bund den Tunnel unter dem Kappelberg bauen lassen, und als der fertig war, kam mit Hilfe des Landes der Stadttunnel dran. Man beachte die Reihenfolge!

Was wir nicht wollen, ist eine Situation wie in Ludwigsburg. Dort hat man die B27 durch die Stadt gebaut, bevor abzusehen war, was sich östlich dieser Straße entwickeln würde. Heute leidet man unter den enormen Verkehrsmengen und sucht Lösungen für eine Trasse außerhalb der Stadt entlang der Autobahn.

Um eines auch deutlich zu machen: an der Idee, mittel- bis langfristig im Bereich der Endhaltestelle eine städtebauliche „Neue Mitte“ zu entwickeln halten auch wir fest. Aber damit können wir auch ohne zweite Brücke beginnen.

Der Flächennutzungsplan geht jetzt in der geänderten Form in die Bürgerbeteiligung. Wir sind sehr gespannt, wie die Remseckerinnen und Remsecker das Thema Neckarquerung bei der Endhaltestelle diskutieren werden.

Den Text unseres Antrags im Gemeinderat finden Sie hier als PDF


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