Nur ein kleiner Anteil der Remsecker Markung ist mit Wald bestanden. Der hat´s allerdings in sich, was die Vielfalt an Baumarten angeht. Das konnte Revierförster Uwe Becker bei einem Waldspaziergang in Rappenhau in Neckarrems zahlreichen Interessierten berichten. Der Gemeindewald umfasst nur eine Fläche von rund 47 Hektar, nur 37 Hektar davon sind sogenannter Holzboden, auf dem nach Holz produziert werden kann, der Rest sind Wegeflächen und Flächen unter Stromleitungen, die nur eingeschränkt forstlich nutzbar sind. Zu den genannten Flächen des Gemeindewaldes kommen noch rund 60 Hektar Staatswald in Hochberg und Hochdorf hinzu.

Der Wald am Rappenhau ist in der Sprache der Förster ein sogenannter Eichen-Hainbuchenwald, der Stolz von Uwe Becker ist denn auch eine rund 300 Jahre alte Eiche. Insgesamt 25 Baumarten trifft man im Remsecker Gemeindewald an. Eine Vielfalt, die alle Teilnehmer, die auf Einladung der Freien Wähler am Waldspaziergang teilgenommen haben, überraschte. Linden, Kirschen, Speierlinge und Elsbeeren sind zum Beispiel Arten, die man im Rappenhau nicht unbedingt erwartet hätte.

Die Sturmwurffläche, die der Sturm Lothar hinterlassen hat und die dort vorgenommene Neuanpflanzung mit Eichen war eine der Stationen im Wald. Außerhalb dieser Fläche setzt der Förster übrigens auf die Naturverjüngung mit Eichen und Buchen, so kann auf die Pflanzung kleiner Bäumchen verzichtet werden.

Auch die Probleme mit der Funktion des Rappenhaus als Erholungswald sparte Uwe Becker nicht aus. Das beginnt mit aufwändigen Arbeiten zur Verkehrssicherung der Spazierwege und endet mit häufigen Beschwerden von Spaziergängern und Joggern wegen frei laufender Hunde.

Die wirtschaftliche Seite der Gemeindewald-Beförsterung plant Becker mit besonderer Sorgfalt, um jedes Jahr möglichst eine „schwarze Null“ zu erzielen. Dabei muss dann der Wald am Rappenhau die Einnahmen liefern, da in anderen Distrikten wie im Regental, an den Steilhängen des Neckars oder an der Westtangente Neckarrems die Aufwendungen den Holzertrag bei weitem übersteigen.

Der Hintergrund ist, dass die beiden Energieversorger Wingas und Ruhrgas eine neue Erdgasleitung von Amerdingen in Bayern nach Lampertheim in Hessen bauen möchten und dabei unseren Raum queren. Das Regierungspräsidium führt als Vorstufe zum späteren Planfeststellungsverfahren derzeit ein Raumordnungsverfahren durch, bei dem auch die Gemeinden gehört werden.

Die Ablehnung der Vorzugstrasse im Remsecker Gemeinderat hat als wesentlichen Grund, dass die Trasse Remseck zwischen den Ortsteilen Neckargröningen und Aldingen queren und somit die künftige städtebauliche Entwicklung beeinträchtigen würde. Die Leitung würde auch den Trassenbereich der geplanten Nordostumfahrung Stuttgart tangieren.

Dass der Bau der Leitung massive Eingriffe in die Landschaft erfordert, wird daran deutlich, dass das Baufeld in der offenen Landschaft eine Breite von 34 Metern, im Wald eine Breite von 24 Metern haben wird. Wir gehen davon aus, dass die Maßnahme frühestens im Jahr 2005 zur Ausführung kommt.


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