Die 30 Teilnehmer an der Besichtigung der Müllverbrennung beim Kraftwerk Münster wissen die Antwort seit letzten Samstag: Hausmüll und deutsche Braunkohle haben nahezu den gleichen Heizwert . Um es anders auszudrücken: die Verbrennung von einer Tonne Hausmüll erspart Abbau und Transport von einer Tonne Braunkohle.

Diese und viele andere spannenden und für die meisten Teilnehmer neuen Informationen vermittelte derBetriebsleiter des Kraftwerks, Stefan Eberle (er ist übrigens Remsecker Mitbürger) den Remseckern, die der Einladung zur Besichtigung der Müllverbrennung gefolgt waren.

Bestandteil der Diskussion war natürlich auch die Frage, wie mit den Rückständen der Verbrennung, nämlich dem Rauchgas, der Flugasche und der Schlacke umgegangen wird. Eberle berichtete, dass das Kraftwerk rund 250 Mio € allein in die Rauchgaswäsche investiert hat und dass diese Technik 95% der Schadstoffe ausfiltert. Mit 99% noch höher ist der Wirkungsgrad der Staubfilterung. Die Schlacke, die als Verbrennungsrückstand noch rund 10 Volumen-Prozent des angelieferten Hausmülls ausmacht, wird unterirdisch im Salzbergwerk eingelagert.

In der Müllverbrennungsanlage des Kraftwerks Münster werden täglich 1.000 Tonnen Müll verbrannt, das entspricht 250.000 Tonnen im Jahr. Diese Menge soll bis 2007 auf 420.000 Tonnen gesteigert werden. Diese Steigerung hängt im Wesentlichen mit der Änderung der Rechtslage, nämlich der Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TASi) zusammen. Sie verbietet ab dem 01.06.2005 die Deponierung von unbehandeltem Hausmüll.

Diese rechtliche Neuregelung führt in Baden-Württemberg, wo die Landkreise für die Müllbeseitigung zuständig sind, zu abstrusen Entwicklungen und nicht nachvollziehbarem Mülltourismus . So wird beispielsweise aus dem Bodenseekreis und dem Kreis Konstanz in Zukunft der Müll zur Verbrennung nach Stuttgart gekarrt, der Kreis Ludwigsburg, der direkt vor der Haustür Stuttgarts liegt, transportiert den Müll zunächst zu einer mechanisch-biologischen Müllbehandlungsanlage nach Buchen, von wo dann die Anteile mit hohem Heizwert zur Verbrennung wieder nach Stuttgart gebracht werden. Und das in Zeiten, wo wir über verstopfte Straßen und Feinstaubbelastung durch LKW diskutieren!

Auch die Endprodukte, die aus der Müllverbrennung entstehen, stellte Stefan Eberle vor. Der über eine Gasturbine erzeugte Strom geht ins Netz der EnBW, die aus der Kraft-Wärme-Kopplung verbleibende Restwärme wird in Form von Wasserdampf in das 120 km lange Stuttgarter Fernwärmenetz eingespeist.

Auch Skeptiker wurden von Stefan Eberle überzeugt: Hausmüll ist ein hochwertiger Energieträger und trägt bei leistungsfähiger Verbrennung zur Einsparung knapper Primärenergie-Ressourcen wie Kohle, Öl und Gas bei.


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